abgefahren e.V.

Auf das Gute im Menschen und Dinge, die man nicht beeinflussen kann..

10.06.2005

Trotz Zeitmangels bin ich letzten Samstag mal wieder kurzentschlossen für zwei Tage von Amsterdam zu mir nach Hause nach getrampt..

Rein entfernungsmäßig sollten die ~800 Kilometer kein Problem sein, doch das letzte Stück im Süden Deutschlands stellt mich immer mal wieder vor ein kleines Rätsel. Mein Ort liegt ziemlich genau zwischen der A81 und A7, im mit Städtchen und Landstraßen übersäten Niemandsland. Um die zehn Lifts bis zur Autobahn bzw. zurück sind keine Seltenheit, eine optimale Route habe ich noch nicht gefunden und Geld für die Zugbeförderung möchte man doch nicht immer ausgeben. Nichtsdestotrotz ging es kurz nach neun Uhr, wie üblich mit Verspätung, nähe der Amsterdam - Amstel Station in Richtung Utrecht los. Nach etlichen Minuten des Wartens und zwei Möglichkeiten in Richtung Westen, in den Norden Deutschlands (wie oft wartete ich schon in der Vergangenheit für diese nun nicht brauchbaren Möglichkeiten?), nahm mich - die fünfzehn Kilometer bis zur nächsten Tankstelle in Richtung Utrecht - ein Lastwagen mit.

Anfangs scheiterten etliche Versuche einen neuen Lift zu angeln, doch nach einiger Zeit und der Zusage, später 10 Euro fürs Benzin zuzusteuern, hatte ich ein deutsches Auto mit dem Ziel Stuttgart, Süddeutschland. Wie sich mit der Zeit herausstellte, handelte sich beim dem Fahrer um einen jungen Rumänen, eine etwas finstere Gestallt, der nach seinem neuen Schnäppchen (3er BMW, Unfallwagen) auf die Idee kam dieses in Amsterdam zu feiern. Zwei Tage des feiern - vor dem Coffeeshop parken, Haschisch kaufen, Joints drehen und rauchen und ein paar Stunden im Auto zu schlafen - hinterließen ihn ohne Geld für die Heimfahrt. Nach einem kleinen Problem, sein letztes Haschisch zu verstauen, vergingen die Stunden recht schnell. Dumitru hatte jegliches Gefühl für Zeit verloren und war recht überrascht schon heute am Samstag, nicht wie er dachte Sonntag, nachhause zu kommen.

Kurz vor Mainz ging das erste Mal der Sprit aus, meine zehn Euro und sparsame Fahrweise, reichten 150km weiter bis kurz nach Koblenz, 150 km vor Stuttgart. Dies sollte für mich kein Problem darstellen, ein wenig rumfragen und nach kurzer Zeit hätte ich eine neue Mitfahrgelegenheit in Richtung Heimat gefunden. Ein paar Lifts bis zum Ende des Autobahnschnellweges und je nach Gefühl und Zeit die letzten 'fünf Kilometer Stückchen' im schönen und langsamen Niemandsland trampen oder mit meinen letzen 10 Euro bequem im Zug zurück zu legen. Dumitru müsste seinen Freund anrufen, der ihm dann Geld für eine neue Tankfüllung bringen könnte.

Er würde es auch schaffen..

Nach kurzem hin und her entschieden wir uns gegenseitig zu helfen. Ich spendete meine letzten 10 Euro in eine neue Tankfüllung, die bis zu Dumitru nachhause reichen müsste. Er versicherte mir dort Geld bei einem Freund zu holen und mich dann bis zum nächsten Bahnhof in meinem Regionalbereich, wo ich dann einfach einen Zug nachhause nehmen könnte, zu bringen. Alles kein Problem, Mann!

Ein kleines, ungutes Gefühl im Magen blieb trotzdem. Hält er sein Wort und setzt mich mit Geld für den Zug am Bahnhof ab oder kickt er mich auf halben Wege raus? Wird ihm sein Freund Geld leihen, nachdem er alles ausgegeben hatte und es alleine beinahe nicht mehr zurück geschafft hätte? Wird die Tankfüllung reichen? Und schon hatten wir die Abfahrt verpasst und standen im Stau. Falsche Richtung und im Stau, kaum Benzin im Tank, kein Geld und noch Stunden von Zuhause entfernt - was will man mehr? Ruhe bewahren.

Hoffen, dass der Stau nicht zu lang ist, bei der nächsten Möglichkeit wenden und auf dem richtigen Weg wieder weiter in Richtung 'leer' auf der Tankanzeige. Das schöne süddeutsche Wetter, die Nähe der Heimat - Dumitru wachte mehr und mehr aus den Spätfolgen seines Amsterdambesuches auf. Er erzählte mir von seinem neuen BMW 3er mit all seinem technischen Schnickschnack, den er in den nächsten Wochen nach Rumänien zum reparieren bringt. Von seinem kleinen Unternehmen, das er sich aufbaut und mit dem er sich dies alles finanziert. Den Transport von technischen Geräten, Zigaretten oder für was es sonst noch einen guten Markt, gibt von Rumänien nach Deutschland bzw. zurück. Und von dem wunderschönen Land Rumänien, in dem die Polizisten noch wegschauen, solange es sich nicht um Haschisch und andere Drogen handelte...

Die Autobahn war frei, die Kilometeranzeige lief. Mit den letzten Tropfen im Tank bogen wir in die Hofeinfahrt, eine Stunde später stand ich mit einem BurgerKing Menu und meinen zehn Euro am Bahnhof. Etwas mehr als eine Stunde mit dem Auto - durch die kleines Städtchen - von daheim entfernt. Nach zweimaligen Umsteigen und sinnloses Warten am Bahnhof kam ich nach 2 Stunden und 22 Minuten Zugfahrt endlich zuhause an. Immerhin, nur zwei Lifts. Keine Pausen zwischen den Lifts, Pausen des bangen Wartens und Wunderns, wohin einen das Schicksal als nächstes bringen mag.

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