abgefahren e.V.

Trampen in Äthiopien, Erstes Mal

Blogged via Mail.


Dies ist eine kleine Geschichte über meine ersten Eindrücke und meinen
ersten Lift in Äthiopien. Auch wenn es kaum die Rede wert ist darüber
zu schreiben, so möchte ich dem ganzen trotzdem ein paar Worte widmen.

Da war ich nun, endlich wieder in Afrika. Nachdem ich vor fünf Jahren
den Kontinent verlassen habe, war ich nun endlich wieder zurück. Nicht
lange, nur ein paar Tage, um die Feiertage über Eid dem Jemen zu
entfliehen
, aber sicherlich lange genug, um mich darüber freuen zu
können. Ja, Afrika hat schon etwas besonderes, zumindest für mich.

Am Flughafen wurden wir abgeholt. Nachdem meine ungarische
Reisepartnerin endlich ihre Visumangelegenheiten erledigt hatte,
gingen wir in eine Bar, auf ein Bier, und danach etwas essen. Wenn man
nicht deutsch ist, auf der Liste der privilegierten Länder steht, dann
kann es doch recht schwierig sein, einfach so (das Visum am Flughafen
zu bekommen und dann) in ein Land zu kommen. Als Europäer scheint man
es dann aber doch irgendwie zu schaffen. Man möchte ja nur Gutes -
dort Urlaub machen und Geld zurücklassen! Ist das nicht toll?

Die Taxis in Addis Ababa sind einfach klasse. Zwar etwas überteuert
und man wundert sich, welche Schicht diese wohl benutzt, aber sie
haben sicherlich etwas Nostalgisches. Der Fahrer und die Kasettenbeats
tragen dazu das Restliche bei. So gurkt man also durch Addis, wenn man
nicht sein eigenes Auto hat, von einem coolen Ort zu einem anderen,
noch cooleren Ort. Dabei sind die Orte nicht typisch afrikanisch, die
Bars könnten überall in Amerika oder Europa sein - westlich
eingerichtet, mit westlichen Möbeln und westlicher Kundschaft. Die
Stimmung ist gut, das Expatleben noch besser.

Alternativ zu den Taxis gibt es noch die Minibusse, das Verkehrsmittel
der Masse, das nicht einmal ein zwanzigstel eines Taxis kostet. Leider
fahren diese nach neun Uhr am Abend nicht mehr.

Nun, da stand ich am Straßenrand, im Dunkeln dem Taxi nachschauend.
Meine Begleiter mussten noch Zuhause vorbei, Gepäck abliefern. Ich
wollte noch eine Freundin sehen, später in einer Jazzbar dann
wieder auf sie stoßen. Eigentlich sollte der Weg einfach zu finden
sein, "einfach der Straße entlang bis zum Ende, dann rechts und dann
wieder der Straße entlang, bis links die Bar auftaucht", sagte mein
Bekannter. Dann mal los, auf ins Unbekannte.

Ich lief die ersten Meter, blieb stehen, drehte mich. Die ersten
Fahrzeuge fuhren an mir vorbei. Ich schaute den Leuten in die Augen,
versuchte, schaute, wer da um diese Zeit so fuhr.

Zwei Fahrzeuge fuhren an mir vorbei, ein drittes und ein viertes. Dem
Taxifahrer musste ich klar machen, dass ich kein Taxi wollte und ihn
nur aus Versehen stoppte. Da drehte ein Fahrzeug, kam zurück, fuhr auf
der Gegenseite an mir vorbei und drehte noch einmal.

Der Fahrer kurbelte die Scheiben runter und rief mir etwas zu.

"I give you another chance! Get in!", er gibt mir eine weitere
Gelegenheit, ich sollte einsteigen, sagte der Fahrer in einem Strammen
Ton. Ich hatte ein ungutes Gefühl. Ich wunderte mich, was ich gemacht
hatte. Hatte ich was falsches gemacht? Musste ich es noch einmal machen,
besser machen?

Ich öffnete die Tür, schaute den Fahrer an und zögerte etwas. Der
Fahrer fuhr fort - "I give you another chance, I have to tell you, why
I drove pass you!" - er gab mir eine weitere Gelegenheit, er musste
mir erzählen, warum er an mir vorbeigefahren sei. Da der Fahrer einen
netten Eindruck machte, zwar etwas unbeholfen, da er etwas angetrunken
schien, stieg ich ein. Es waren nur ein paar hundert Meter, man konnte
hier nicht schnell fahren. Selbst wenn er im angetrunkenen Zustand
einen Unfall verursachen würde, was ich aber eigentlich nicht dachte,
könnte nicht viel passieren. Zum anderen hatte er meine Neugierde geweckt.

"Do you know, why I drove pass you and why I returned?" - Ob ich
wisse, warum er an mir vorbei fuhr und dann zurück kam, um mich
mitzunehmen, fragte er mich. Da es dunkel war und er mich vielleicht
nicht gesehen hatte, gab ich als naive Antwort zurück, da seine Frage
sowieso nur rhetorisch war und er es mir nur zu gerne erzählen wollte.

"I lived the last twenty years of my life in London and nobody, never
gave me a lift, when I needed one! I just drove pass you and then I
realized: No, I am not in London, I am in Ethiopia and so I had to
turned around and give you a lift."

So erzählte mir Samson*, dass er zwanzig Jahre lang in London gelebt
hatte, seit ein paar Monaten wieder zurueck in Addis Ababa ist, und
dass ihn nie jemand mitgenommen hatte, als er einen Lift gebraucht
haette. So fuhr er auch an mir vorbei und musste sich dann erst selbst
klar werden und zu sich selbst sagen, dass dies nicht London sei,
sondern Äthiopien.

Wir unterhielten uns noch ein wenig, woher wir kommen, was wir machen
und wohin wir gehen, als wir dann kurze Zeit später an der Bar waren,
zu der ich wollte. Samson fuhr zwar nicht dorthin und hatte auch keine
Ahnung, wo die Bar war, aber er wollte ein wenig reden und da er ja eh
gerade aus einer Bar kam, fuhr er mich, wohin ich musste. Da wir
gerade am Reden waren und ich ihm danken wollte, lud ich ihn auf ein
Bier ein. Ich freute mich und dachte, wie schön es doch ist, wieder in
Afrika zu sein.

* Name changed.

| #607

Re: Trampen in Äthiopien, Erstes Mal

hey, schöne geschichte. hast du schon von anderen gehört, die in äthiopien getrampt sind? längere strecken... gehts? gefährlicher als hier?

Re: Trampen in Äthiopien, Erstes Mal

Trampen geht dort auch laengere Strecken. Ich wuerde es nicht als
gefaehrlicher als hier in Europa einstufen. Ich habe dazu auch einen
Artikel, ich muss ihn nur noch posten, moechte euch aber nicht
ueberfordern und mehr als einen Beitrag am Tag (Woche?) posten... ;)

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