Dresden-Bad Schandau-Ceska Lipa-Doksy-Staré Splavy-Praha-Decin
Bei dem schönen Wetter entschied ich mich relativ spontan an den Machasee in Tschechien (nach Doksy und Staré Splavy) zu fahren - allerdings per Bahn. Erst ging's mit der ungeliebten DB nach Bad Schandau, dort hab ich dann die Fähre in die Stadt genommen, nen Eis gegessen und schon ging's mit der Fähre zurück zum Bahnhof und mit einem der kleinen tschechischen CD-Züge weiter nach Decin. Dort hatte ich Glück und hab den letzten Anschluss (so gegen 22 Uhr) nach Doksy erwischt, mit einer reichlichen Stunde Aufenthalt in Ceska Lipa. Nachts dann in Doksy angekommen, erstmal in den See gesprungen, kurz im Wald gepennt und weiter nach Staré Splavy gelaufen. Das Dorf, das ich inzwischen durchaus mein tschechisches Lieblingsdorf nennen kann, nochmal in Ruhe zu Fuß erkundet, ein weiteres Mal den See genossen und schließlich ins Dorf-Internet gesetzt...
Da das Wetter sich zum Schlechten wenden sollte überlegte ich, wie's nun weitergehen könnte. Also im Internet ein wenig herumgesurft bis ich auf einer Seite mit tschechischen Drum'n'Bass-Partys angelangt war. Bald fiel die Wahl auf Future Bound und Culture Shock in der Prager Retro Music Hall. Von der Information hatte ich mir schon die richtige Zugverbindung raussuchen lassen, aber irgendwie hatte ich keine Lust auf Zugfahrt. Und da ich in Doksy noch nie getrampt war, wollte ich es unbedingt mal ausprobieren. Erstmal ging's zurück nach Doksy, Geld wechseln und einkaufen. Dann auf der Touristen-Karte abgeschätzt, welche Landstraße wohl die beste nach Prag sein würde, auf Autobahntrampen hatte ich keine Lust.
Schließlich lief ich in Richtung Süden und hinter einem Einkaufszentrum (ich glaube LIDL) fand ich tatsächlich ein blaues (Landstraßen-)Schild mit "Praha" drauf. Dieser Landstraße folgte ich dann auf der Suche nach einem geeigneten Plätzchen, was sich allerdings als ziemlich schwierig erwies. Unterwegs bestätigte mir eine Bushaltestelle noch einmal dass ich auf dem richtigen Weg lag, denn der Dorfbus fuhr auch nach Prag, allerdings erst in 4 Stunden. Doch dann wurde die Straße immer kurviger und obwohl es sich teilweise sogar um einen offiziellen Wanderweg handelte war doch keinerlei Seitenstreifen ersichtlich, der Straßengraben tief und voller Brennesseln, und an den Seiten zählte ich drei Kreuze die anscheinend Verkehrsopfern gewidmet waren...
Nach kurzem Sonnen auf dem Feld und dem obligatorischen Staropramen ging's weiter und nach ungefähr vier Kilometern fand ich dann einen schönen Schotterplatz auf der richtigen Seite, also versuchte ich mein Glück. Und tatsächlich, obwohl die Straße sehr schwach befahren war, saß ich eine Viertelstunde später neben einem kleinen Jungen, der mich mit großen Augen anstarrte. Seine Mutter brachte mich vielleicht 10 Kilometer bis zur nächsten Großen Kreuzung samt Tankstelle, wo ich auf einen weiteren, tschechischen Tramper traf, der zum Glück in die andere Richtung wollte.
Nicht viel später hielt ein Kleintransporter. Der Fahrer war einer der coolsten Typen die mich je mitgenommen haben :-) Innerlich verfluchte ich meine Unkentniss der tschechischen Sprache, denn er verstand kein Wort Deutsch und nur ein paar Wörter Englisch. Trotzdem unterhielten wir uns prächtig, er rief zwischenzeitlich sogar einen Freund an, der etwas besser Englisch sprechen konnte - damit er übersetzen konnte. Wie sich herausstellte transportierte er mit seinem Kühlwagen Baguettes aus Arnsdorf nach Melnik, wo wir dann auch kurz hielten um die Ware abzuliefern. Dann gings weiter nach Prag, denn er kam aus Brno und wollte schnellstens nach hause. Die tschechische Hauptstadt empfing uns (wieder mal) mit einem kräftigen Regenguss und Stau. Doch mit Untergrund-Hip-Hop aus Brno und dem gewagten Fahrstil des Tschechen, in Kombination mit einem ekligen Billig-Energy Drink ("Kamikaze") war es trotz der großen Müdigkeit, die uns beiden anzusehen war, relativ einfach munter zu bleiben. Er ließ mich dann an einer StraBa-Haltestelle raus, die ich perfekt zur Orientierung nutzen konnte.
Nach ein wenig Einkaufen hatte der Regen zum Glück nachgelassen und ich machte mich auf die Suche nach einem Zimmer in Metronähe. Für umgerechnet 27Euro hätte ich im Hostel bei Palmovka gerade mal ein Bett bekommen, deswegen entschied ich mich fürs 40Euro teure aber sehr edle Hotel um die Ecke. Jeder Tramper weiß was Bett und eigne Dusche für ein Luxus sein können... Und dazu dann noch Gratis-TV (inkl deutschem Sender) und Gratis-WLAN (für mein Handy).
Abends gings dann mit der Metro zur Party, die ich dank guter Anfahrtsbeschreibung sofort gefunden habe. Die Party war der Hammer, nette Leute die alle auch ein wenig Englisch konnten, geniale Drum'n'Bass-DJs aus Großbritannien (Future Bound, Culture Shock, Brookes Brothers) und Tschechien (Deadly Viperz, 2K), nen halber Liter Staropramen für ca. 1,20€ (im Club!) und sogar geraucht werden durfte;)
Völlig erschöpft gings dann ins gemütliche Hotelbett (was für ein Unterschied zum Waldboden in der Nacht zuvor). Leider musste ich gegen 11 Uhr das Zimmer räumen, sonst hätte ich locker bis nachmittags durchgeschlafen. Also verließ ich 11:05 Uhr das Hotel. Aus Prag rauszutrampen wollte ich nicht versuchen, bei meiner Tour nach Budapest hatte ich dabei einfach zu viel Zeit verloren. Also machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Bahnhof, den ich zu meinem eigenen Erstaunen auch bald fand. Dort kam grade ein Zug nach Decin reingefahren, die knapp 5 Euro konnt ich mir noch leisten, also Ticket gekauft und los ging's, über's schöne Usti nad Labem nach Decin.
Dort war gerade Stadtfest samt großer Bühne auf den Elbwiesen. Leider hatte die Wechselstube samstags geschlossen. Deswegen ging's nach kurzer Zeit weiter zur Grenze, die 12 Kilometer wollte ich zum Abschluss unbedingt trampen. Und tatsächlich, nachdem ich bis zum Ortsausgangsschild den Wegweisern Richtung Hrensko und Dresden (immer schön seinen Zielort schon vor Augen zu haben) gefolgt war, dauerte es vielleicht zwei Minuten bis mich ein glänzender, moderner VW mitnahm. Der tschechische Fahrer sprach perfekt Englisch und als er sich ein wenig über mich erkundigte, stellten wir schnell einige Gemeinsamkeiten fest. Auch er war als Jugendlicher durch Europa getrampt und als ich meinte ich studiere "computer science", da war er sichtlich erstaunt, denn er arbeitet in einer tschechischen Softwarefirma in Decin und programmiert 3D-Modellingsoftware. Vor zwei Wochen war er in Dresden gewesen um an einem Benefiz-Rennen von Dresden nach Prag teilzunehmen. Als ich ihn von meinen Trampplänen nach Estland diesen Sommer erzählte war er begeistert. Leider war die Fahrt viel zu kurz, wir hätten uns noch ewig unterhalten können. Er wollte ein paar Freunde in Hrensko besuchen, wo er mich dann absetze, ich Geld wechselte und für Dresden einige Staropramen einkaufte um sie nach Schmilka zu schleppen.
Dank Semesterticket ging es dann kostenlos mit der Fähre zum Bahnsteig und von dort aus bis nach Dresden-Neustadt. Ein gelungener Drei-Tages-Ausflug. Im Nachhinhein kann ich nur sagen: Ich hätte lieber noch mehr trampen sollen - und weniger Zug fahren :-)
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