Biel-Zürich: Netter Fahrer, ungutes Gefühl
Trampen in der Schweiz ist zwangsläufig verbunden mit verhältnismässig kurzen Strecken. So gibt es, was das inländische Trampen angeht, auch kaum spannende Geschichten zu erzählen... aber trotzdem:
Am Samstag um 17 Uhr also das Loslaufen nach Zürich. Vorerst nur 50m weit, bis zur Hauptstrasse. Geschlagene 10 Minuten stehe ich an der Bushaltestelle und halte meinen Daumen der nicht endend wollenden Autokolonne entgegen, bis mein Lächeln gefriert (10 Minuten sind kurz, ich weiss. Aber in einer Kleinstadt, bei so viel Verkehr??). Irgendwann packe ich das “A5"-Schild weg. Ich vermute sowieso, dass 90% der Autos nur in ein Vorstädtchen von Biel fahren. Nach weiteren 5 Minuten hält endlich jemand an und nimmt mich einen Kilometer weit mit. Immerhin schon viel näher an die Autobahnauffahrt, so dass ich mir schon 2.- für den Bus gespart habe (und mit dem Bus auch 15min gebraucht hätte). Ich laufe bis zum nächsten Kreisel. Plötzlich ruft mir der Fahrer eines vorbeifahrenden Autos etwas zu und hält weiter vorne an. Ich renne über die Strasse; er erklärt mir, er hätte mich schon vorher an der Bushaltestelle den Daumen raushalten sehen, mich aber nicht mitnehmen können, weil er noch Kollegen nach Hause gefahren habe. Er fahre nach Zürich, wo ich denn hinwolle? Perfekt - ich steige ein und wir fahren los. Die Fahrt ist nett, der Fahrer ist sehr nett und positiv. Keiner, der Tramper nur mitnimmt um endlich mal jemanden zu haben, der oder die zuhört.
Als wir uns Zürich nähern offeriert er mir, dass wir ja auch zusammen zurückfahren können. Er fahre so um 01 Uhr zurück. Ich möchte eigentlich um 23 Uhr den Zug nehmen, weil ich am nächsten Morgen früh auf muss. Er sagt dann, gut, wir können auch um 23 Uhr fahren. Was mich etwas misstrauisch macht. Warum sollte er, der nach Zürich Freunde besuchen geht, bereits nach 4 Stunden schon wieder nach Hause fahren, nur um eine Tramperin mitzunehmen?? Zwar bin ich absolut überzeugt, dass er mir nichts tun würde! Aber schon bald haben sich die Gesprächsthemen, von ihm ausgehend natürlich, um Liebe und Beziehung gedreht. Und ich habe echt keinen Bock, nach einer gratis Rückfahrt irgendjemand abwimmeln zu müssen. Weil er aber sehr nett ist, sage ich vorerst weder zu noch ab, sondern lasse uns mal Nummern tauschen. Schliesslich aber sage ich mir, dass es besser ist, nichts zu tun, bei dem ich ein ungutes Gefühl habe. Selbst wenn mir das Gefühl noch nicht ganz klar ist, ungut ist ungut! Um 23 Uhr zahle ich also die 20 Franken 50 fürs Zugticket und bin froh, selbstbestimmt gereist zu sein…
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