abgefahren e.V.

Warum trampen?

Trampen ist out
Die 70er Jahre, die goldenen Zeiten des Trampens, sind vorbei. Das Fortbewegungsmittel einer ganzen Generation scheint ausgestorben, abgelöst vom selbstzufriedenem Einzelfahrer mit eigenem Golf. Wer heute noch trampt, der tut das nicht mehr aufgrund einer Lebenseinstellung, sondern aus rein pragmatischen Gründen, schnell mal von der Disco nach Hause zu kommen, in die City zum shoppen oder so. So die gängige Meinung. Doch gerade hier öffnet sich eine Nische für den alternativen Individualreisenden oder für die Kleingruppe auf Abwegen. Es gilt, das Trampen wiederzuentdecken, ohne den Muff der 68er, sondern vielmehr als modernes, menschenfreundliches und äußerst flexibles Fortbewegungsmittel. Denn: Trampen ist spannend, da man nie weiß, was einen erwartet und man ständig neue Menschen kennen lernt. Trampen ist umweltfreundlich, da vorhandene Ressourcen genutzt werden. Und Trampen ist umsonst.

Niemand nimmt einen mit
Viele Vereinsmitglieder sind weit über 10.000 Km in Deutschland und Europa getrampt und überall und immer mitgenommen worden. Auch nachts. Auch von Frauen. Auch zu viert mit großen Rucksäcken. Die Menschen, die uns mitnahmen, stammten aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten, viele einfache Leute wie Arbeiter, Schrotthändler, Kellner, Arbeitslose, Windmühlenbauer oder Bergarbeiter waren darunter, aber auch IT-Manager, Skipper, Flugzeugkapitäne und Firmenbosse haben für uns angehalten. Natürlich nehmen einen junge Leute lieber mit. Oder Leute, die früher auch getrampt sind (das kann dann erstaunlicherweise auch durchaus eine Mercedesfahrerin mit Klimaanlage und Navigationssystem sein). Gerade das ist der Reiz des Trampens, dass man bei jedem neuen Fahrer auf eine andere Geschichte und eine andere Weltsicht stößt. Für den einen kann es Lebenszweck sein, kaputte Waschmaschinen einzusammeln und für 20 Euro an den Schrotthändler zu verkaufen, fünf Minuten später wird dir der Nächste schon von seiner packenden Flucht aus der DDR mit einer selbstgeschneiderten amerikanischen Uniform berichten. Die, die dich mitnehmen, werden meistens gern von sich erzählen. Und du solltest zuhören, denn kein anderes Fortbewegungsmittel als das Trampen kann dir die Vielseitigkeit, den Reichtum und die Verrücktheit des Menschen zeigen.

Trampen ist gefährlich
Das Gefährlichste, was dir beim Trampen passieren kann, ist ein Verkehrsunfall. Das Auto ist mit 7.000 Verkehrstoten jährlich immer noch das unsicherste Fortbewegungsmittel. Natürlich kann es auch passieren, dass du von einem wahnsinnigen Massenmörder brutal abgeschlachtet wirst, wie es uns das Fernsehen vorgaukeln will, genau wie der Jogger im Park, der in schöner Regelmäßigkeit auf der Mattscheibe sein Leben lassen muss. Für uns sind das irrationale Zivilisationsängste, die nur von sehr wenigen Einzelschicksalen genährt werden. Sicher gibt es da draußen Verrückte, aber es gibt da draußen auch nasse Blätterhaufen, auf denen täglich Leute ausrutschen und sterben. Trotzdem würde keiner deswegen einen Spaziergang vermeiden. Aus dem gleichen Grund sollte man, wenn man Angst vorm Trampen hat, konsequenterweise in überhaupt kein Auto mehr einsteigen, da das Risiko eines Unfalles immer besteht und zigmal größer ist.
Selbstverständlich sollte man trotzdem bestimmte Regeln beachten: Es versteht sich von selbst, dass man bei keinem alkoholisierten oder bekifften Fahrern einsteigt. Auch als alleinreisende Frau wären wir, trotz vieler Gegenbeweise, vorsichtig. Auf jeden Fall empfiehlt es sich immer zu zweit trampen. Das ist nicht nur sicherer, sondern auch praktisch und macht auch mehr Spaß. Außerdem sollte man immer versuchen die Leute persönlich anzusprechen und fragen, ob sie einen mitnehmen, z.B. an Tankstellen oder Rasthöfen. Das verkürzt die Wartezeiten, da dein Gegenüber im Gespräch am Besten Hemmschwellen abbauen kann (auf jeden Fall besser, als wenn er dich unbekannt am Straßenrand stehen sieht) und so kann man sich selbst seinen Fahrer suchen - statt ausgesucht zu werden.

Trampen ist anstrengend
Als Tourist mit Bus und Bahn sieht man nur die Fassade, die man sehen soll. Beim Trampen bist du allerdings förmlich gezwungen ein Gespräch mit den Einheimischen aufzubauen. Hier erfährst du aus erster Hand von den Sorgen und Nöten der Bewohner, hier bekommst du oft konkrete Hilfe angeboten, auf jeden Fall aber die hilfreichsten Tipps und die besten Geschichten geliefert und lernst ganz nebenbei noch die Landessprache. Wieso nicht mal bei langweiligen Landstraßenstrecken per Anhalter weiterreisen? Oder mit ein paar Kumpels eine längere Tour planen und teure Reisekosten sparen. Morgen könnt ihr bereits in den Vogesen wandern oder in drei Tagen in Nizza am Strand liegen.

Daumen raus.