abgefahren e.V.

Was haltet ihr vom Trampen? Eure Meinung und Erfahrung...

Anmeldung zu Abgefahren - Tramper in Westberlin, (c) DPA"Trampen? Das ist doch von gestern..." Was haltet ihr von Trampen? Seid ihr selbst mal getrampt, in den 50ern, 70ern oder erst gestern? Wir möchten hier gerne eure Meinung, gerade als Autofahrer oder ehemalige Tramper. Wie war das damals? Einfacher? Schwieriger? Nehmt ihr immer Tramper mit? Oder sagt ihr auch mal gerne: "Tschuldige, fahr nächste Abfahrt raus..." Oder habt ihr handfeste Gründe weshalb ihr gar keine Tramper mitnehmt? Dann schreibt es auf! Euer Erfahrungsbericht interessiert uns und hilft uns Trampen zu verbessern und einfacher zu machen.

Berichte könnt ihr hier schreiben und hier lesen.



Eckart schrieb:
Ich bin jahrelang selbst getrampt und trampe auch heute noch ab und zu, z.B. nächste Woche auf der A24 von Walsleben nach Stolpe.
In der ehemaligen DDR gab es mehr Tramper und es wurde auch mehr mitgenommen als heute. Die Straßen von heute sind auch nicht mehr so gut zum Trampen geeignet wie die ehemaligen, weil es zunehmend mehrspurige Schnellstraßen gibt, auf denen man nicht anhalten kann.

Am besten ist es, an Tankstellen oder auf Rastplätzen die Autofahrer anzusprechen.

Sogenannte "Schwarze Schafe" (z.B. Tramper, die Autofahrer beklauen, ausrauben oder sonst unangenehm auffallen bzw. Autofahrer, die trampende Frauen sexuell belästigen) sollten im Internet auf eine "schwarze Liste" gesetzt werden, damit sie auf diese Weise aus dem Verkehr gezogen werden. Damit könnte man auch vielen Autofahrern die Angst nehmen, Tramper mitzunehmen bzw. Tramperinnen, die Angst zu trampen.

Ich habe selber kein Auto, aber wenn ich eins hätte, würde ich auf jeden Fall Tramper mitnehmen - außer Leuten, die betrunken sind, auch keine Punks, Faschos oder Skinheads oder Leute mit Kampfhunden.

Mäx schrieb:

Hallo,

ich (ganz normaler :-) Mitmensch, Jhrg 1963, m. verheiratet und zwei erwachsene Kinder, südlicher Hochschwarzwald) finde trampen n o r m a l und habe mir fast noch nie Gedanken darüber gemacht ob es richtig oder nicht richtig ist. Es fahren so viel Autos rum, da ist doch das einfachste und normalste der Welt, wenn ich meinen Daumen rausstrecke um mitgenommen zu werden, wenn ich von A nach B möchte.

Ich bewege mich beim z. Zt. öfters wöchentlichen Trampen meist im "Nahverkehr" - bis ca. 10 km.

Die Idee mit diesem Tramperverein finde ich sehr gut. Sie trägt dazu bei trampen auch im Denken der Mitmenschen zu normalisieren.

Der Tramperverein war eigentlich schon überfällig, ich habe schon öfters an so etwas ähnliches gedacht.

Früher, 1984 bin ich mal mit Freund und Rucksack schon in ca. 34 oder 36 Stunden von FR nach London (außer Fähre - alles getrampt)und danach weiter nach Irland. In Irland hatten wir kein Tramperglück. In Belgien hat uns eine junge Frau nachts auf offener Straße unter Laternen mitgenommen.
In London haben wir nachts unser kleines Zelt in einem Park im dichten Gebüsch zum schlafen aufgestellt. Tagsüber das Gepäck im Gepäckschließfach eines Bahnhofs verwahrt.
Auf der Rückfahrt wollte uns ein Porschefahrer nur einzeln mitnehmen - haben wir dankend abgelehnt - es gab Schokolade an der Raststätte und er hat uns zu sich nach Hause eingeladen... 1984, wir waren in der Türkei mit Bussen unterwegs (bis Jugoslawien getrampt und dann mit Zug weiter) trafen wir am westlichen Rand von Ostanatolien eine junge deutsche Frau, die per Anhalter unterwegs war - wir staunten. In 2002 bin ich auch mal nach Göttingen hoch getrampt und mit dem Zug zurück.

Mitfahren über Mitfahrerzentrale scheint mir komplizierter, da fehlt mir die Spontanität und Einfachheit des Trampens. So gehe ich einfach raus, laufe los und trampe - es fährt doch immer jemand in meine Richtung - sowieso. Natürlich sollte ich genügend Zeit haben und nicht unter Zeitdruck sein. Die Welle des Berufsverkehrs ist ideal zum trampen.

Unterwegs bleibe ich auch froh gelaunt, wenn es länger geht, oder wenn fast gar nichts mehr geht. Heim komme ich immer. Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht und da ich zügig vorwärts gehe beim trampen wird es mir auch nie langweilig.
Wenn mich jemand (auch bekanntes) nicht mitnimmt bin ich Ihm/Ihr nicht böse. Warum? - es ist ja von mir freiwillig, dass ich trampe und auch freiwillig für alle Fahrer ob sie mich mitnehmen wollen oder nicht. Ich könnte ja laufen, per Fahrrad, Bus, oder sonstwie vorwärts kommen. Und wenn nichts mehr geht muss ich halt laufen oder zu Hause anrufen.

Selber nehme ich i.d.R. Tramper mit - auch nach dem Freiwilligkeitsprinzip - das heißt, auch nur die Tramper, die mir nicht unsympathisch sind.
Es freut mich durch die Mitnahme von Trampern die Effizienz und die Auslastung meines Autos (und mir ;-)sinnvoll steigern zu können.

Wenn ich Tramper aus welchem Grund auch immer nicht mitnehme, dann mache ich NICHTS, was bei denen irgend welche EMOTIONEN hervorrufen könnte - das habe ich vom eigenen trampen gelernt.
Spätestens mal nach 10 "Winkern" hintereinander, d. h. Autofahrern die einem durch winken irgend was signalisieren möchten, was nicht immer zur eigenen Situation passen muss - kann dieses winken sich emotional negativ auf den Tramper auswirken.
Deshalb mein Tipp, wenn Ihr an einem Tramper vorbeifährt - ihn nicht mitnehmen möchtet, dann ohne irgend eine Reaktion, einfach nur auf das Autofahren konzentrieren weiterfahren. Ihr könnt ja dabei an das gegenseitige Freiwilligkeitsprinzip denken und dem Tramper alles Gute wünschen.

Natürlich freut es mich und ich finde es nett und bin dankbar wenn mich jemand mitnimmt. Wenn ich von manchen Fahrern dann gefragt werde ob ich ganz zu meinem Ziel gebracht werden möchte, dann lehne ich in der Regel ab, weil ich es nicht beabsichtige, dass jemand seine Fahrtroute wegen mir ändert.

Über das trampen kam ich schon mit vielen Menschen zu guten Gesprächen. Mich wundert es nur ab und zu, dass öfters männliche Gastgeberfahrer auf eine ganz selbstverständliche Weise DU zu mir sagen, vielleicht meinen sie, dass heute kein "Normalo" mehr trampt und man deshalb DU zu mir sagen kann - aber auch das ist OK. Spätestens wenn ich erzähle, dass meine Frau gerade das Auto braucht und ich gerade ins Geschäft meiner Frau möchte.

Ein zweites Auto für uns wäre mir/uns momentan zu teuer (wir hatten eines), meine Frau fährt öfters mit dem Bus und ich trampe meistens oder leihe mir bei eiligen Terminen auch mal ein Auto aus, oder lasse mich im Extremfall mal von meinen Eltern wohin fahren.

Es geht immer irgendwie und spart i.d.R. ein Auto mehr auf der Straße.

Was mich schon öfters wunderte, dass junge Leute die mit dem Auto unterwegs sind mich nicht mitnahmen - ich dachte, dass die mehr wie die älteren wissen, dass ein Tramper sich freut, wenn er mit genommen wird. Aber vielleicht sind die einfach zu sehr verwöhnt und gewohnt, dass Sie mit dem Auto vorwärts kommen und machen sich über andere Menschen und andere Möglichkeiten gar keine Gedanken mehr. Sie wissen es halt wahrscheinlich nicht oder nicht mehr anders.

Ich laufe während dem trampen meistens. Außer an Strecken, an denen nicht getrampt werden darf oder wenn es zu gefährlich wäre. So komme ich wenigstens durch das laufen immer weiter in meine gewünschte Richtung und ich bewege mehr wie meinen Daumen nach oben. Und so habe ich schon öfters neue interessante Perspektiven der Strecken erlebt,die ich sonst nur aus dem Auto kenne.

Mit Bus oder Bahn fahren finde ich auch sehr schön, kann ich auch richtig genießen, benutze sie jedoch sehr selten.

Mein Sohn trampt auch oft - meine Tochter nicht - finde ich auch in Ordnung. Das muss jeder für sich selber wissen.

Trampen hat für mich was mit Selbstvertrauen und Vertauen in die Mitmenschen zu tun und natürlich auch etwas mit Abenteuer.

Sonnige Grüße von

Mäx

on alles-was-gerecht-ist.de schrieb:
mkorsakov schrieb:
Wenn man diese Definition für den überstrapazierten Begriff Nachhaltigkeit (kwasi das »web2.0« für die (Um)Weltretterfraktion) zugrunde legt, dann würde das ja den Erhalt der automobilen Gesellschaft bedeuten. Und was daran auch nur im geringsten wünschenswert ist, will mir mal so gar nicht einleuchten.

Christian Noll schrieb:
…nicht unbedingt, denn der Erhalt der Automobilen gesellschaft ist nicht wirklich, “zum Wohl zukünftiger Generationen”. Im Nachhaltigkeitsdiskurs dominiert inzwischen die Ansicht, Nachhaltigkeit (oder exakter Nachhaltige Entwicklung) als Suchprozess zu verstehen. Natürlich ist der Begriff überstrapaziert und veredelt als catch-phrase alles von A wie Atomkraft bis Z wie Zepeline - die Frage ist immer wer was damit deutet. Von daher plädiere ich dafür, dass die Menschen, die das Prinzip Nachhaltigkeit verstanden haben es so inflationär wie möglich besetzen um die Deutungshoheit darüber zu gewinnen.

Realistisch betrachtet, ist die Automobile Gesellschaft auch nicht von heute auf morgen abschaffbar, das sie extrem leitbildgetrieben ist. Die Wahl des Trampenden spielt sich hingegen nicht zwischen Autofahren und Zugfahren ab, sondern zwischen Selberfahren oder Mitfahren (wohl selten aber i.d.S. nachhaltiger) oder Mitfahren oder Zugfahren. In letzem Beispiel ist dies auch umweltfreundlicher und auch nachhaltiger, da es nicht das Leitbild der automobilen Gesellschaft reproduziert. Diese beinhaltet ja, das jeder sein eigene (oder zwei) Auto besitzt und es schön alleine fährt.

Deshalb, betrachte ich Trampen, vor allem als Übergangslösung als nachhaltig.


Dagel schrieb:
Das erste Mal den Daumen raushalten, das war in der elften Klasse, als der Schulbus ausgefallen war und ich nach Hause wollte. Ich weiß noch, dass ich ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache hatte, den Daumen nur halbherzig hochgehalten habe und gleichzeitig gelaufen bin. Niemand nam mich mit.
Später versuchte ich es notgedrungen wieder und: es klappte. Leider sind bei uns im Sauerland die Leute nicht sehr Kontaktfreudig und trampen ist daher nicht sehr einfach.

So richtig los ging es bei einer Reise mit einer Freundin 2004 durch Italien, Frankreich und Spanien. Seitdem ist trampen für mich eine "ganz normale" Reiseform, die ihre Vorzüge und Nachteile hat wie andere auch. Seit ich 500km von zu Hause weg studiere bin ich regelmäßig auf der Straße und schreibe meine Erlebnisse nieder.

Cool, dass es jetzt einen Verein gibt, da fühlt man sich nicht so alleine.
Ich habe inzwischen mehrere Freunde dazu gebracht ab und zu auch mal zu trampen. Außerdem habe ich von einer tollen Tradition aus der Ostseeregion gehört: Ein Fahrer erzählte mir, dass sie in den 80ern goldene Daumen ausschnitten und sie besonders tollen Fahrern an die Windschutzscheibe klebten. Das will ich wiederbeleben.

Reto Stauss schrieb:
Habe vor nicht allzu langer Zeit wieder mal "gestöppelt" (wie man in der Schweiz sagt) und dabei eine Menge schlechter Gefühle überwinden müssen. Irgendwie ist man verdächtig, wenn man am Strassenrand steht und den Daumen hochhält: kann sich der Kerl keine Fahrkarte oder Auto leisten? Wird er über mich herfallen? Mitgenommen hat mich schliesslich ... ein ehemaliger Autostopper (ohne Furcht).

Der Stefan schrieb:
Ich bin in den 70er und 80er Jahren viel getrampt, hatte ein ganz gutes Händchen. Selbst mein skeptischer Vater war schwer beeindruckt, als ich einmal, weil ich irgendwas vergessen hatte, von Stuttgart nach Marburg (wo ich damals studierte) hin und zurück am selben Tag getrampt bin.
Mein längster Direktlift war von Teheran nach Istanbul, dicht gefolgt von einem Trip von Gargano (Italien) bis nach München... Damals konnte ich in einem einzigen Tag durch ganz Italien bis nach Sizilien kommen...

Ja, ja, die guten alten Zeiten, hört sich bestimmt an wie die Geschichten der Veteranen...

Nun letztes Jahr habe ich nach fast 20 jahren Pause wieder angefangen (notgedrungen...). Und siehe es geht immer noch, die Strecke Berlin-Paris in 14 Stunden ist nicht so übel...

Für einen Umzug habe ich mir kürzlich ein Auto zugelegt, und muss sagen, es ist nicht so leicht Tramper zu finden, die man mitnehmen kann. Vielleicht kann ja das Internet helfen indem man einfach sagt "am xx. Monat trampe ich von AStadt nach BStadt" schau doch mal auf den Raststätten vorbei ob ich dort bin" + Handynummer oder e-mail, um eventuell ein Zusammentreffen direkt ausmachen zu können...

WolfgangS schrieb:
Ich stelle fest, es gibt keine Tramper mehr. In den 80er-Jahren standen sie an jeder Raststelle und ich habe auch meist welche mitgenommen. Aber heute sehe ich einfach keine mehr.

Jakob schrieb:
Eine tolle und begrüssenswerte Initiative!
Ich bin in den Achtzigern selbst immer wieder quer durch Europa, von Norwegen bis Portugal, getrampt. Wie im Artikel erwähnt war es ein einzigartiger Gewinn, täglich neue und interessante Menschen kennenzulernen und sich laufend auf neue Situationen einstellen zu müssen. Heute selbst Flugreisender und Wenig-Autofahrer würde ich soweit gehen, dies sogar als Verlust an Lebensqualität zu bezeichnen.

Thomas Darchinger (Schauspieler) schrieb:
Helau! Hab in tagesschau.de über Euch gelesen. Feine Sache. Ich bin früher selber dauernd getrampt (hier zu Hause aber auch in Urlaube in andere Länder, zB Frankreich/Spanien/Italien/Irland und auch 4 Monate durch die USA) und würde heute gerne Leute mitnehmen, aber man sieht nie welche. Schön, dass Ihr helft, das wieder zu beleben.
Viel Erfolg. Thumbs up!