Freiburg - Hannover - Enschede (NL)
Moin,
nach einiger Zeit und einer m.M. nach gelungenen Trampaktion in Freiburg, die nicht nur erheblich viel Spass gemacht hat sondern einer Großzahl an Autofahrern zeigte, dass es sie noch gibt, die Daumenschwenker und Schildchenhalter an den Straßen Deutschlands. Und wenn selbst Homer Simpsons heute in einer Folge im TV einen sympathischen Tramper mitgenommen hat, ja wer zögert denn da in Zukunft noch? Populärer gehts ja wohl nicht mehr! :)
Mit rund 6 Lifts ging es am Sonntag hoch bis Hannover. Eigentlich verabscheue ich ja Sonntage zum trampen, und dann auch noch zu 3. bzw. ab Bruchsal zu 2....ohje!
Aber der erste Lift, eine nette Dame (die selbst ab und an noch trampt) auf dem Weg nach Würzburg, brachte uns drei - Philipp, Georg und mich - bis nach Bruchsal. Dort trennten wir uns, Philipp und ich versuchten es an der Tankstelle, während Georg das Ende der Raste bevorzugte. Wir hatten nach kurzer Wartezeit mehr Glück und wurden von einem Kalifornier mitgenommen, der seit 3 Monaten in Deutschland ist und natürlich auch schon getrampt ist. Vor weniger Wochen stand dieser in Freiburg auf dem Weg in die Schweiz, nur seine Straßenwahl Richtung Frankreich fiel ihm und seinem Kumpel erst nach einiger Zeit auf. Nach wenigen Kilometern (er fuhr bis Bonn) mussten wir leider wieder raus, und warteten am Hockenheimring auf unseren nächsten Lift. Und siehe da, nach wenigen Minuten hielt ein netter Pole der auf dem Weg nach Haarlem bei Amsterdam war. Er fuhr für uns extra einen Umweg von mindestens 40 Kilometern um uns von der 67 wieder auf eine Raste an der A5 kurz vor Frankfurt rauszulassen. Danke nochmal!
Dort warteten wir wiederrum keine 10 Minuten, als ein alter Kleinlaster hielt mit einer "Turnierpferde" aufschrift. Dieser wurde zu einem gemütlichen Wohnwagen umgebaut, und schwups landeten die beiden verworrenen Tramper hinten drin, wo wir es uns auf Bett und Sessel bequem machen durften. Mit höchstens 80 km/h ging es dann weiter hoch die Berge Hessens hinauf bis zu einem Rastplatz zwischen Giessen und Kassel. Dort an die Ausfahrt, hält ein blitzblanker, feiner schwarzer Mercedes Benz. Wow! Der Insasse, auf dem Weg nach Berlin, nahm uns 40 km bis zur nächsten Raste mit, da sich dort die Wege trennten und wir hoch die A7 mussten. Mit zwischenzeitigen 220 km/h, die mir persönlich wie 80 km/h vorkamen, ging es endlich wieder flott voran, und unsere angepeilte Ankunftszeit von 10/11 Uhr wurde doch wieder realistisch.
Am Autobahnkreuz A4/A7/A irgendwas lies er uns wieder raus, und dort stand dann auch direkt an der Tanke ein Auto mit Hamburger Kennzeichen. Wir gefragt, klar fuhr der Herr über Hannover, nur wollte er etwas bedenkzeit. Kein Thema, eben Kaffee holen, dann entschied er sich doch, uns Tramper mitzunehmen. Auf der Fahrt entwickelte sich ein nettes Gespräch, und auch die Höchstgeschwindigkeiten nahmen mehr und mehr zu, bis wir schließlich auf leerer Fahrbahn mit 260 km pro Stunde unseren persönlichen Rekord aufstellten. Wahnsinn, wie schnell es plötzlich ging, und um halb10 waren wir dann auch schon bei Hannover. Unglaublich, und mit zitternden Beinen verlies ich dann mit Philipp das Auto, und wir machten uns zu Fuss die letzten Meter auf nach Hannover.
Einen Tag später machte ich mich dann alleine auf den Heimweg nach Enschede. In Garbsen angekommen goss es in Strömen, und mit glitschnassen Schuhen und Rucksack stellte ich mich etwas unbeholfen an die Raststättenausfahrt. Regenschirm mit dem Kinn und der Schulter festgehalten, nasse Jutetasche mit Schlafsack in der einen Hand und Daumen ausgestreckt in der anderen stand ich dann dort, strömender Regen, aber ja! Nach keinen 5 Minuten hielt ein netter Mann auf dem Weg zu seinen Eltern, und nahm mich bis zur Raste Auetal mit.
Dort liess der Regen etwas nach, und ich stand etwas über eine Stunde dort. Was nichts schlechtes heissen soll, es hielten 5 Leute an, was eine gute Zahl war vergleichbar mit den wenigen Autos, die am Montag dort hielten. Nur leider fuhr das erste Auto nach Brüssel, die folgenden zwei nach Dortmund und der Rest nach Bielefeld, was alles irgendwie nicht an der A30 Richtung Osnabrück lag. Aber dennoch, ein nettes Rentnerpärchen wollte auf die A1 und brachte mich dann irgendwann auf die einzige Raste entlang der A30. Zwischendrin hatte ich sogar noch Zeit um einen unserer tollen Sticker in Auetal zu verewigen :-)
In Grönegau wartete ich dann wieder keine 10 Minuten, bis ein Truck anhielt, obwohl ich gar keinen Daumen ausstreckte, da ich eigentlich mehr auf PKW fixiert war. Na egal, der Mann fuhr Richtung Rheine, ich mit rein, und im Gespräch stellte sich heraus das er bis Holland fuhr. Wunderbar! Es schien dann wieder die Sonne draussen, er selbst auch leidenschaftlicher Tramper gewesen früher und selbst gerne Mitnehmer anderer, gab es wieder nette Gespräche zu führen ("ein Trampclub, coole Sache" seinerseits) und nach einiger Zeit kam ich wieder in Oldenzaal an. Dort dann noch fix ein Niederländer gehalten, der mich die 8km bis Enschede mitgenommen hat. Fan-TAS-tisch!
Alles in allem war es ein tolles Wochenende, sehr nette Gleichgesinnte getroffen und etwas Hoffnung getankt, dass es mit der Trampkultur bestimmt wieder aufwärts geht. Nette Erfahrungsberichte, extrem tolle Vorträge und telefonate mit "Tramplegenden" geführt...was kann es mehr geben. Ich freue mich auf das nächste Treffen, man sieht sich sicherlich an der nächsten Raste!
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