WILANTIS fm - Deutschlands erstes Wissensradio – Trampen neu etablieren (28.08.2007)
WILANTIS fm, Deutschlands erstes Wissensradio, mit Lars Laucke und Gerrit Mathis, berichtet über uns. Den Beitrag könnt ihr hier anhören oder sogar nachlesen.
Das Gespräch führen Lars Laucke und Gerrit Mathis von der Wilantis Redaktion.Trampen neu etablieren
Trampen soll wieder eine übliche Form der Fortbewegung werden. Das ist das Ziel des jüngst gegründeten Vereins "abgefahren e.V. Deutsche Autostop Gesellschaft" mit Sitz in Berlin. In der Satzung formuliert es der Verein so: Er will "das Trampen als besondere Art des Reisens unterstützen und damit den Austausch von Menschen und Kulturen fördern." Das mag beim ersten Hören eher kurios klingen, doch der erste Tramperverein Deutschlands verfolgt sein Ziel ganz ernsthaft.Daumen raus und warten, dass jemand hält, das ist doch eine Sache der 70er- und 80er-Jahre. Was veranlasst diese Leute, jetzt wieder fürs Trampen zu werben?
In erster Linie mal die Erfahrungen, die man beim Trampen macht. Das kann ja sehr spannend sein. Wer zum Beispiel von Stuttgart ins Ruhrgebiet trampt, wird vielleicht bei zwei bis sechs Leuten mitfahren, wird diese Leute ein wenig kennen lernen - und das kann sehr interessant, manchmal auch sehr spannend sein. Da hören Tramper manchmal ganze Lebensgeschichten und erfreuen oft genug übrigens auch Außendienstler und LKW-Fahrer, die Tag für Tag alleine unterwegs sind, mit ihrer Anwesenheit. Insofern ist das Ziel der Völkerverständigung, das der neue Tramperverein verfolgt, vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, aber von der Richtung her stimmt's. Wer trampt lernt das Leben schnell aus den unterschiedlichsten Perspektiven kennen, was in einer komplexen Welt, wie der heutigen vielleicht nicht das Schlechteste ist.Aber wer nimmt denn heute noch Tramper mit? Man sieht ja kaum noch welche...
Das ist richtig. Gelegentlich steht mal jemand an einer Bundesstraße und will ins nächste Dorf. Mehr ist es oft nicht. Es hat halt fast jeder sein Auto, und wenn's ein Kleinwagen ist, und für lange Strecken bucht man den Billigflieger. Da sagt der Tramperverein übrigens jetzt: Trampen ist nicht nur billiger, es ist auch umweltfreundlicher. Aber zurück zur Frage. Wo kein Platz zum Trampen ist, da verschwinden die Tramper auch. Deshalb verweist der Verein auf Nachbarländer wie die Niederlande und auch die Schweiz. Besonders aber in den Niederlanden ist der so genannte "Lifterplaats" längst zu einer Standardeinrichtung geworden. Das sind Buchten an für Tramper strategischen Punkten von Hauptstraßen. Die Plätze sind entsprechend beschildert, es sind also ganz offizielle Einrichtungen. Entsprechend normal ist es dort dann auch zu trampen. Solche Plätze wünscht sich der Verein auch für Deutschland.Bis dahin dürfte es aber noch ein wenig dauern. Was macht de Verein sonst?
Er nutzt das Internet, will eine Trampergemeinschaft zusammenbringen und Hilfe bieten. Wobei nicht der Verein selbst hilft, er stellt vielmehr eine Internetplattform zur Verfügung, wo sich Tramper Tipps geben können. Zum Beispiel, welche Autobahnraststätten gut zum Trampen sind und welche nicht...Gibt es denn da so große Unterschiede?
Oh ja, sogar ganz erhebliche. Zum Beispiel der Großraum Frankfurt: Wer an Frankfurt vorbei will, sollte sich der Erfahrung nach nicht an der letzten Raststätte vor Frankfurt absetzen lassen und dann auf den nächsten Lift warten. Dort kommt man einfach schlecht weg. Hinter Frankfurt wird's schon viel einfacher. Hat einen einfachen Grund: An der Raststätte vor Frankfurt halten die, die sich dann dort ins Großstadtgetümmel stürzen müssen. Wer weiter will, kann mit diesen Autofahrern natürlich nicht viel anfangen. Also, dann können sich erfahrene Tramper schon eine Menge Tipps geben.Eine Frage muss man ja stellen: Wie gefährlich ist Trampen? Engagiert sich der Verein nicht für eine ziemlich riskante Reiseform?
Jein. Natürlich muss man immer wieder betonen: Ein junges Mädchen, das sich an einem Samstagabend in verlassener Gegend an eine Landstraße stellt und den Daumen raushält, muss sich das sehr gut überlegen. Aber wer sich an einige Regeln hält, der kann das Risiko einigermaßen kalkulieren. Und das Ziel des Vereins ist es ja, Trampen wieder "hoffähig" zu machen. Und wenn es wieder normaler ist, wenn mehr Leute trampen, bzw. Tramper mitnehmen, dann steigt auch die Sicherheit. Das ist ein einfaches Gesetz: Wo eine gewisse Masse ist, da ist auch eine gewisse Sicherheit. Und auf der Internetseite des Vereins kann man sich im Forum auch Tipps für sicheres Trampen geben lassen.Per Auto-Stopp durch die Republik soll wieder attraktiver werden. Dieses Ziel verfolgt der gerade gegründete Berliner Verein "abgefahren e.V.".
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